Bildstock – Marienkrönung und Kreuzigung, bez. 1690

Der aus Sandstein hergestellte Bildstock mit schlanker Rundsäule und Aufsatz stellt auf der Schauseite die Marienkrönung und auf der Rückseite die Kreuzigung Jesu dar.

Sichtseite: Die Krönung Mariens, links Jesus, in der Mitte der hl. Geist in Gestalt einer Taube, rechts Gott Vater.

Rückseite: Kreuzigungsgruppe, darunter links, kniende Frau mit Rosenkranz, rechts kniender Mann mit Rosenkranz. Dazwischen sieben Kinder, davon sechs einen Rosenkranz in der Hand haltend, ein gewickeltes Kind rechts neben der Mutter ohne Rosenkranz.

Im Kapitell werden Stifter und Jahreszahl genannt: Georg Amberger 1690.

Als Bekrönung fungiert der hl. Michael, der Schutzpatron Birnfelds. Die rechte Hand ist abgebrochen, einst eine Waage, die Seelenwaage, in der Hand haltend, mit der er am Tag des Jüngsten Gerichts Gut und Böse abwägt.

Bei diesem Aufsatz handelt es sich um eine originalgetreue Kopie, das Original war nicht mehr zu restaurieren.

Die Darstellung auf der Rückseite gab und gibt Anlass für verschiedene mögliche Interpretationen: So wurde die Abbildung vom einstigen Dorfpfarrer in der Form ausgelegt, dass der Familie bereits sechs Kinder verstorben, das siebte, das gewickelte Kind überlebt hätte, und dass aus diesem Grunde, aus Dankbarkeit, der Bildstock gestiftet worden sei.

In der fraglichen Zeit taucht in den Kirchenbüchern ein Georg Amberg (geb. 1618) auf, ein Schlossbauer bzw. ein Gutsverwalter, da er die Bezeichnung »Villicus« (lat. für »zum Landgut gehörig«) trug. In dessen Familie gibt es keine Hinweise auf ein gehäuftes Versterben der Familienkinder. Aufgezeichnet sind fünf lebend geborene Kinder, die später auch geheiratet hatten.

Das Frühmesserhaus

Vom Vorgängerbau des Pfarrhauses, dem sogenannten Frühmesserhaus, ist wenig bekannt. Der »Frühmesser« ist ein Ausdruck für einen Hilfspriester, gewöhnlich ein Kaplan, der frühmorgens, vor dem allgemeinen Arbeitsbeginn im Dorf, verpflichtet war, die Messe abzuhalten.

Vermutlich entstand der Vorgängerbau um die Zeit des Jahres 1459, dem Stiftungsjahr der Frühmesse in Birnfeld. Denn in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, noch während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, war das Haus bereits verfallen und nicht mehr bewohnbar.

So musste nach den Wirren der Reformation, der Gegenreformation, des Dreißigjährigen Krieges und nach der Erhebung Birnfelds zur eigenen Pfarrei eine neue Unterkunft für den Pfarrer gebaut werden – das heutig stehende, ehemalige Pfarrhaus.

Der Pfarrer als Landwirt

Zum Pfarrhaus gehörten auch der Pfarrhof mit seinen Wirtschaftsgebäuden, mit Stallungen, mit Garten, mit Äckern und Wiesen.

Die im Dorf eingesetzten Pfarrer mussten nämlich sich und ihre Haushälterinnen durch Betreiben von Landwirtschaft selbst versorgen. Die für die Pfarrstelle erhobenen und von den Dorfbewohnern entrichteten Abgaben reichten in der Regel nicht zum Lebensunterhalt aus. Und so war es ein alltägliches Bild, den Pfarrer hemdsärmelig bei der Bestellung seiner Äcker oder bei der Ernte auf seinen Feldern zu sehen.

(Text: Alfred Lamprecht – Alle Rechte vorbehalten)

Bildstock Marienkrönung - Vorderseite
Foto: Franz Kaufmann

Rückseite Kreuzigung
Foto: Franz Kaufmann

Pfarrhaus und Schloss
Fronleichnam der 50er Jahre
Ortsarchiv Birnfeld

Pfarrhaus Gartenansicht um 1990
© Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Pfarrhaus vor der Renovierung 1990
Ortsarchiv Birnfeld

Pfarrhaus während der Renovierung 1992
Ortsarchiv Birnfeld