Ein glückloser Bürgermeister

Kilian Weigand, 1830 in Seubrigshausen geboren, lebte hier im Haus Nr. 73 (Gemeindehaus) mit seiner Frau Eva Margaretha Lutz. Weigand kam als reicher Bauer nach Birnfeld, hielt über Jahre sein Amt als Bürgermeister – seit 1865 belegt.

Bei den Gemeindewahlen von 1869 aber gibt es große Streitereien zwischen den Ultramontanen und den Liberalen. Letztgenannter Partei ist Noch-Bürgermeister Weigand angehörig. Die ultramontane Partei trägt den Sieg davon – allerdings wird das Ergebnis und wie es zustande gekommen ist, angezweifelt. Es stehen Vorwürfe der Manipulation im Raum: Eigenartigerweise setzt sich der Wahlausschuss nur aus ultramontanen Mitgliedern zusammen, dieser Wahlausschuss soll zudem parteiisch gehandelt haben, indem er nämlich vier wahlberechtigte Bürger, die Anhänger der liberalen Partei waren, zurückweist, dagegen aber einen nicht wahlfähigen Bürger ihrer Partei zulässt.

Es wird öffentlich in der Zeitung gestritten, eine Anzeige im Schweinfurter Tagblatt vom 15. Dezember 1869, unterzeichnet »Von mehreren Wählern« gibt die Stimmung wieder: »...; auch dürfte das Jauchzen und Hurrahschreien einiger Weiber zum Fenster heraus auf offener Straße als voreilig zu bezeichnen sein, denn die weitere Untersuchung wird belehren.«

Andere Stimmen erwidern dagegen, dass der Grund seiner Niederlage im Vertrauensverlust lag.

Bei Kilian Weigand geraten zudem durch Schicksalsschläge die Vermögensverhältnisse in Schieflage, er wandert aus nach Amerika. Aber auch dort scheint er kein Glück zu haben, denn er kommt zurück, versucht sich in Schweinfurt durchzuschlagen. Dort fristet er sein Dasein und versucht sich mit Taglohnarbeiten über Wasser zu halten. Es gelingt ihm nicht, er verzweifelt. Am 17. Dezember lesen die Birnfelder im Schweinfurter Tagblatt:

»Gestern Abend machte der 57 Jahre alte Taglöhner Kilian Weigand von Birnfeld durch Erhängen in seiner Wohnung dahier seinem Leben ein Ende. [...] ... und nährte sich in den
letzten Jahren in hiesiger Stadt kümmerlich von Taglohnsarbeiten. Diese mißlichen Lebensverhältnisse mögen denn auch Ursache des Entschlusses des Weigand gewesen sein, sich das Leben zu nehmen.«

(Text: Alfred Lamprecht – Alle Rechte vorbehalten)

Gemeindehaus
Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 2013