Das Barockschloss: Kasten- und Vogteiamt der Julius-Universität Würzburg

Nachdem das Kloster Theres sein Besitztum aufgrund der hohen Schuldenlast aufgeben musste, das Fürstbistum Bamberg zudem im Jahr 1665 auf alle seine Rechte verzichtet hatte, wurde die Stiftung der Julius-Universität Würzburg neuer Grund- und Dorfherr von Birnfeld, Landesherr wurde der Fürstbischof von Würzburg. Ein repräsentatives Kasten- und Vogteiamt wurde errichtet, das nun die Abgaben und die Einkünfte für die neue Herrschaft einzog und verwaltete.

In der Amtsvogtei Birnfeld wurde die Verwaltung eines größeren Bereichs des Besitzes, über das Dorf hinausreichend, zentralisiert. Die Vogtei bedeutete auch landesherrliche Administration. Sie war Verwalter des Universitätsbesitzes, der sehr weit verstreut war. Der Birnfelder Amtsvogt Johann Michael Schäfer, zum Beispiel, schrieb und führte die Lehenbücher

Das Kasten- und Vogteiamt Birnfeld erhob Gefälle (Abgaben, Erträge, Einkünfte) in folgenden Orten:

Allertshausen, Breitenbach, Bundorf, Fuchsstadt, Großsaarhof/Kleinsaarhof, Happertshausen, Hofheim, Kerbfeld, Lindach (Wüstung, Forstbezirk), Muggenbach, Reckertshausen, Wettringen.

Neben der Lehensverwaltung unterhielt das Amt in Birnfeld selbst einen eigenen Wirtschaftsbetrieb (Schlosshof) in Erbpacht.

1821 fiel der Gesamtkomplex an den Staat. Das Amtsgebäude (Schloss) mit Gut kam 1824 in den Besitz des königlichen Kammerherrn Karl Truchseß von Wetzhausen, der Zehntbau wurde 1835
dazugekauft. Somit verblieben Schloss mit Zehntbau und Gut fast 100 Jahre im Besitz der Truchseß. Friedrich (Fritz), der spätere Ehemann von Esperanza, wurde 1825 und Ferdinand 1828 auf Schloss Birnfeld geboren. Beide Freiherren werden im Haussteuerkataster von 1853 als Eigentümer des Anwesens aufgeführt.

Begebenheiten:

Nach dem Verkauf an Herrn von Spruner, später an Herrn von Below, machte das Schloss durch die Besitzer auch »Schlagzeilen«. So hatte der Gutsbesitzer von Spruner ein Sägewerk in den Zehntbau installiert. Es konnten aber die Auflagen der Gewerbeaufsicht nicht erfüllt werden, wie uns die amtliche Aufforderung zur Mängelbeseitigung aus dem Jahr 1920 Auskunft gibt. Selbst am maroden Dach des Zehntbaus war das Herabrutschen von Ziegeln nicht mehr auszuschließen.

Herr von Below, der 1922 in das Schloss einzog, geriet im Jahr 1924 in die Schlagzeilen. In einer Zeitungsspalte lesen wir:

»Unglücklicher Schuß. Gutsverwalter Freiherr v. Münster in Hofheim wollte sich am Montag spät Abends mit dem Fahrrad auf das Gut von Below in Birnfeld begeben. Als Münster auf einen Anruf nicht sofort hielt, vielmehr mit dem Rad die Flucht ergriff, wurden ihm zwei Schüsse nachgesandt, wovon ihn einer schwer verletzte.«
(Rosenheimer Anzeiger – 1924)

Im Jahr 1930 musste Herr von Below den größten Teil seiner Felder und Wiesen, etwa 35 Tagwerk, für 25.000 RM versteigern.

Mit der Übernahme durch Hubertus Stangier im Jahr 1958 gelang nach und nach eine Wende – hin zu positiven Schlagzeilen.

(Text: Alfred Lamprecht – Alle Rechte vorbehalten)

Ortsarchiv Birnfeld

Ortsarchiv Birnfeld